"Die Unbeugsamen" erzählt die Geschichte von Politikerinnen in der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung an den demokratischen Entscheidungsprozessen gegen erfolgsbesessene und amtstrunkene Männer erkämpfen mussten. Unerschrocken, ehrgeizig und mit unendlicher Geduld verfolgten sie als wahre Pionierinnen ihren Weg und trotzten Vorurteilen und sexueller Diskriminierung...
***
Im Jahr 1983 hält die Grünen-Abgeordnete Waltraud Schoppe im Bundestag eine Rede, in der sie die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe fordert. Eine Frau, die im Bundestag nicht nur über sexualisierte Gewalt redet, sondern das Wort ¿Sinnlichkeit¿ benutzt und Sexismus im Parlament benennt, das ist eine Provokation! Das Johlen aus den mit Männern besetzten Bänken, das Feixen, Schenkelklopfen, die selbstgewisse Bestätigung der Männer untereinander, dass diese Frau da vorne eine ¿Hexe¿ ist, die man ¿früher verbrannt¿ hätte, demaskiert und demontiert diese Abgeordneten aus heutiger Sicht. Zugleich zeigen die Bilder erhellend und beklemmend das Klima im Bonner Bundestag in den 1980er-Jahren.
"Die klug montierten Bilder, die eingesetzten Kapitelüberschriften auf fast schon abstrakten Bildern aus Bonn gehen eine dynamische Verbindung mit den Archivausschnitten und den Interviews ein, die Körner geführt hat. Sie fanden fast alle an berühmten Orten der Bonner Republik statt. Der Bildausschnitt erfasst nicht nur die Gesprächspartnerin, sondern auch den Raum ¿ und dadurch sind sie mehr als nur talking heads, zusammen mit dem Interviewort erinnern sie an eine vergangene Zeit. Damals wurde sexuelle Belästigung als 'Anbaggern' verstanden. Viele Politikerinnen wussten, was es war, aber sie benannten es nicht. Es war eine andere Zeit. Sieht man diese Kontinuität im Bild, wird auch noch einmal deutlich, wie schwer es ist (und weiterhin sein wird), diese Verhaltensweisen und Wahrnehmungsmuster zu ändern. (...)
'Die Unbeugsamen' endet mit einer optimistischen Note: Stand am Anfang Herbert von Karajan als Dirigent vor den Berliner Philharmonikern, ist nun Mirga Gražinyt¿-Tyla zu sehen, die litauische Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra. Es ändert sich etwas, soll das heißen. Und doch müssen wir aufpassen, dass nicht der nächste Backlash, der unweigerlich kommen wird, all die Errungenschaften zunichte macht. Denn eines darf nicht aus dem Blick geraten: Derzeit machen Frauen lediglich rund 30 Prozent im Bundestag aus ¿ so viel wie schon 1998. Fortschritt sieht anders aus." (Sonja Hartl, auf: kino-zeit.de)
Jahr:
2025
Verlag:
Potsdam, filmwerte GmbH
Aufsätze:
Zu diesem Aufsatz wechseln
Diesen Link in neuem Tab öffnen
Mehr...
Suche nach dieser Systematik
Suche nach diesem Interessenskreis
Beschreibung:
1 Online-Ressource (100 min), Bild: 16:9 HD
Schlagwörter:
Film
Mehr...
Beteiligte Personen:
Suche nach dieser Beteiligten Person
Haines, Elisabeth (Mitwirkender); Faerber-Husemann, Renate (Mitwirkender); Nickels, Christa (Mitwirkender); von Braun-Stütze, Carola (Mitwirkender); Hellwig, Renate (Mitwirkender); Däubler-Gmelin, Herta (Mitwirkender); Brandl, Sandra (Cutter*in); Fleig, Corinna (Tongestalter*in); Hoesch, Leopold (Filmproduzent); Körner, Torsten (Filmregisseur); Jahn, Claire (Kameramann(Cinematograph)); Imdahl, Johannes (Kameramann(Cinematograph))
Sprache:
Deutsch
Mediengruppe:
Filmfriend